Rollifahrer erobert segelnd die Ostsee

Ein Erlebnisbericht von Oliver Bluhm

 

Im  Dezember 2011 habe ich mich zum „Integrationsprojekt Mannschaftssegeln“ an der Regine Hildebrand Schule Birkenwerder beworben.

Ich wollte als Rollstuhlfahrer segeln. Nicht einfach nur so, sondern ich wollte selbst steuern, navigieren, Segel setzen, Segel bergen, die Nebelglocke putzen und in der Kombüse abtrocknen helfen.

 

„Und ich wurde angenommen!!!!!!“

 

Nach zahlreichen Vorbereitungstreffen stachen wir am 05. Mai 2012  mit zwei Schiffen „Wappen von Ueckermünde“ (erstes Rollstuhlsegelschiff Deutschlands; 20m lang; 150m² Segelfläche; Höchstgeschwindigkeit 12 Knoten) und das Schwesterschiff  „Greif von Ueckermünde“) in See.

Die Crew pro Schiff bestand aus zwei Lehrern unserer Schule, zwei professionellen Skippern und zehn angeheuerten Schülern. Auf meinem Schiff waren es neun Schüler und mein Einzelfallhelfer Tim.

 

So sah mein Segel-Abenteuer aus:

1.Tag 

- klar Schiff machen und ablegen (d.h. alle Vorräte an Bord schaffen, Kojen beziehen, Schichten einteilen, dann ging es los)

- Wir segeln auf dem Stettiner Haff

 

„Man war das aufregend“

 

2.Tag - Flaute

- Oh man war das öde, wir schreiben Karten hingen rum und warten auf den Wind.

- Ich gab die Hoffnung nicht auf und motivierte meine Mannschaft

 

„Segeln ohne Wind ist unmöglich“

 

3.Tag - Fahrt aufnehmen

- Endlich wir haben den langersehnten Wind.

- Wir legen Strecke zurück.

- Ich steuere das Schiff.

 

„Cool das Schicksal dieser Mannschaft liegt in meinen Händen, ich halte Kurs“

 

4.Tag - Schräglage, Ausfall der halben Crew

- Nur noch der Steuermann steht am Ruder und ich stehe Backbord an der Reling.

- Die Anderen haben sich im Katenhaus in Sicherheit gebracht und hoffen, dass sie das Essen drinnen behalten.

 

“ Acht Knoten und 15°Schräglage, da geht doch noch mehr.“

 

5.Tag - Regatta der 2 Schiffe

- Es ging um die Frage der Ehre, wer kommt als erster im Zielhafen an. Am Ende belegten wir den glorreichen 2.Platz.

 

„Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die Anderen.“

 

6. Tag - letzte Nacht an Bord

- Ein Abend an dem man sich immer wieder zurück erinnern wird.

- Wunderschöner Sonnenuntergang und Seemannslieder mit Gitarrenbegleitung bis tief in die Nacht.

 

„unvergesslich“

 

7.Tag - die Schüler übernehmen das Schiff

- Wir hatten das Kommando und brachten das Schiff sicher in den Hafen.

 

„ festes Land unter den Füßen und eine Träne im Auge“

 

Segeln heißt Teamarbeit und ich gehörte dazu. Ich, Oliver Bluhm bin Rollifahrer und eroberte segelnd die Ostsee.

Ahoi ihr Landratten!